Die Grundmauern der Reinoldikirche gehen bis in das 10. Jahrhundert zurück. Die Legende berichtet, dass die Reliquien des um 960 verstorbenen Reinoldus, einem Neffen Karls d.Gr., aus dem Erzbistum Köln nach Dortmund überführt wurden. Doch erst 1261 wurde die Hauptpfarrkirche Dortmunds als Reinoldikirche schriftlich erwähnt. Nachdem der Vorgängerbau der heutigen Reinoldikirche beim großen Stadtbrand 1231/32 zerstört wurde, baute man ab 1233 eine neue Kirche. Von 1421 bis 1450 ließ der Rat der Dortmunder Bürger und Stadtbaumeister Roseer einen Saalchor und eine Sakristei (1446) neu errichten. Der prächtige Chorneubau gleicht einem architektonischen Reliquiar für den Stadtpratron und zeigt gleichzeitig die bedeutsame Stellung Dortmunds innerhalb des Erzbistums Kölns und innerhalb der Hanse. Im Chorgestühl nahmen sowohl die Patrizier als auch die Kleriker Platz, deren Geschichte und zunehmend auch Stiftungen eng mit der Reinoldikirche verbunden waren. Im 15. Jahrhundert wandten sich die Geistlichen in Dortmund der Reformation zu. Diese wurde in St. Reinoldi 1562 nach den Augsburger Bekenntnissen durchgesetzt. Die Reliquien wurden aus der Kirche entfernt. Heute befindet sich ein Teil davon in der katholischen Propsteikirche St. Johannes Baptist in Dortmund. Der im Westen stehende Turm von St. Reinoldi wurde 1520 errichtet und aufgrund seiner Höhe von 112 Metern das „Wunder von Westfalen“ genannt. 1661-71 erfolgte nach Einsturz des Turmes der Wiederaufbau mit Zwiebelhelm. 1926 wurde am Turm eine Heldenkapelle angebaut, deren Grundriss etwa dem des heutigen StadtKirchenForums entsprach. Ein Bombenangriff 1944 zerstörte die Reinoldikirche fast vollständig. Nur einige Außenmauern blieben erhalten. Der Wiederaufbau wurde 1947 bis 1957 von dem Architekten Herwarth Schulte geleitet.
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Die Ev. Stadtkirche St. Reinoldi ist eine AudioGuide-Station auf der Route Mittelalter Ruhr.
Die Ausstattung der Ev. Stadtkirche St. Reinoldi
Aus der Zeit des Chorneubaus 1421-1450 sind noch heute bedeutende Kunstwerke in St. Reinoldi zu bestaunen. Bereits in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts ist die monumentale Holzskulptur des Hl. Reinoldus angefertigt worden, die heute auf der Nordseite des Choreingangs zu sehen ist. Als Pendant wurde Mitte des 15. Jahrhunderts die Holzskulptur Karls d.Gr. auf der Südseite des Choreingangs dazugesetzt, der als Gründer der Kirche gilt. Die Dortmunder*innen stellten sich damit unter den Schutz ihres Stadtpatrons und des Kaisers. Die ursprünglich farbig gefassten Figuren sind heute holzsichtig. Das Altarretabel ist um 1415 wohl in Brügge entstanden. Zu sehen ist im Mittelteil in feiner Holzschnitzerei ein Kalvarienberg mit den Aposteln. Die Seitentafeln zeigen Gemälde mit Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi. Es handelt sich um eines der wenigen erhaltenen flämischen Altarretabel aus dieser Zeit. Die Stiftung dieses kostbaren Retabels zeugt vom Reichtum und Stolz der Dortmunder Hansekaufleute, die hiermit den kulturpolitischen Rang ihrer Stadt zum Ausdruck brachten. Das Chorgestühl wurde 1462 von Hermann Brabender gefertigt. Aus dem 15. Jahrhundert haben sich ebenfalls das 1456 fertiggestellte Reliquienhaus, eine Marienskulptur über der Sakristeitür im Chor und das kostbare Adlerpult aus Bronze erhalten. Mehr zur Ausstattung von St. Reinoldi erfahren Sie hier.